Das Hinspiel Ende Mai hatten die Gänse vor heimischer Kulisse mit 8-22 verloren. Eine Wiederholung sollte tunlichst vermieden werden, und vor 15 Zuschauern in Köln begann das Rückspiel durchaus verheißungsvoll. Nach einem schnellen Aus gegen Tius Lahmers zog Thorben Theisen einen Walk, wurde aber per Fielder’s Choice an Second Base ausgemacht. Tristan Theisen, der nun auf First stand, stahl sogleich die zweite Base und rückte auf den Single von Sebastian Schlicht vor. Nachdem auch Letzterer die zweite Base geklaut hatte, räumte Roilan Mirabalez Mora mit einem Double den Tisch ab. 2-0 für die Gäste. Es sollte die einzige Führung des Tages bleiben.
Denn was dann folgte, lässt sich am ehesten im Telegrammstil des Scorebooks zusammenfassen. Starting Pitcher Marco Weinreich erwischte einen Nachmittag zum Vergessen: Walk, 2B, WP, Walk, Walk, 1B, PB, Walk, HP, Balk, Walk, fünf Runs, Auswechslung. Heiko Wolle übernahm bei geladenen Bases und leistete sich gleich zum Einstand einen Wild Pitch. Ein Strikeout, ein weiterer Punkt per Fielder’s Choice und ein Groundout später war das Inning dann endlich beendet. 2-7. Bemerkenswerterweise benötigten die Kölner für ihre sieben Punkte gerade mal zwei Hits. Den Rest erledigten die Gäste in Eigenregie.
Immerhin fing sich Wolle in der Folge. Im zweiten Spielabschnitt ließ er zwar nach einem Error von First Baseman Tobias Köhler, einem Single von Anouar Riedmann und einem Walk die Bases erneut volllaufen, zog aber mit einem Strikeout gegen Andre Canis den Kopf selbst aus der Schlinge. Die Keulen der Gänse schwiegen derweil. Das zweite Inning war nach drei Schlagmännern erledigt, im dritten strandete Thorben Theisen nach Walk und Stolen Base auf Third Base, weil Schlicht und Mirabalez Mora beide Strike Out gingen.
Den Kölner Punkt im dritten Inning muss man dagegen gesehen haben, um ihn zu glauben. Matti Fries erreichte per Error von Pitcher Wolle das erste Base, stahl die zweite, gelangte per Error von Catcher Thorben Theisen auf die dritte und punktete schließlich nach einem Error von Centerfielder Lahmers. Ein Run, kein Hit, drei Feldspielfehler. Arbeitsteilung, wie sie im Buche steht.
Doch die Gänse bewiesen im vierten Inning, dass sie dieses Spielchen ebenfalls beherrschen. Jeremias Schulz erreichte per Error des Shortstops die erste Base, Köhler wurde abgeworfen, und ein Passed Ball sowie ein Wild Pitch brachten Schulz nach Hause. Nachdem auch Weinreich abgeworfen worden war und die zweite Base gestohlen hatte, holte Lahmers mit einem Single Köhler rein, bevor Thorben Theisen per Groundout Weinreich über die Homeplate schob. Drei Punkte mit einem einzigen Hit. Man revanchierte sich also mit gleicher Münze.
Die Antwort der Gastgeber ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Neri Fattorini singelte und rückte per Wild Pitch vor, Riedmann holte ihn mit einem Double nach Hause und erreichte über einen Balk und einen weiteren Wild Pitch selbst die Homeplate. 5-10.
Und dann keimte tatsächlich Hoffnung auf. Schlicht eröffnete das fünfte Inning mit einem Single und rückte per Wild Pitch vor. Mirabalez Mora legte sein zweites Double des Tages nach, ein weiterer Wild Pitch brachte Schlicht zum 6-10 herein, und als Wolle per Error des Shortstops aufs Base kam, punktete auch Mirabalez Mora. 7-10, Runner auf First, null Aus. Das Spiel war wieder offen. Zumindest für genau drei Schlagmänner. Kölns Starting Pitcher Len Klimek zog nun die Daumenschrauben an und schickte Schulz, Köhler und Weinreich nacheinander per Strikeout zurück ins Dugout.
Diese verpasste Chance rächte sich postwendend. Angel Jiminez singelte und gelangte per Error des Pitchers auf Second Base, woraufhin Alejandro Martinez humorlos einen Two-Run-Homerun hinterherschickte. 7-12. Es folgten ein Single von Albert Duchenski, ein Walk, zwei Stolen Bases und zwei Fehler von Catcher Köhler, die zwei weitere Punkte kosteten. Fattorini war dabei eigentlich schon beim Stehlen erwischt worden, kam aber dennoch nach Hause. Inzwischen genügte den Kölnern sogar ein Strikeout, um aufs Base zu gelangen, denn der dritte Strike gegen Klimek geriet zum Wild Pitch. Nach einem weiteren Walk war der Arbeitstag von Wolle beendet, der in vier Innings immerhin sechs Strikeouts verbucht hatte. Lahmers übernahm den Hügel, fand den Handschuh seines Catchers aber auch nicht immer auf Anhieb. Ein Wild Pitch und ein Sacrifice Fly zum Shortstop (!) von Pinch Hitter Philipp Krempel später stand es 7-16.
Im sechsten Inning stand mit Martinez ein neuer Werfer auf dem Mound. Thorben Theisen gelang zwar noch ein Double, doch beim Versuch, die dritte Base zu stehlen, wurde er erwischt. Ein Pop-Up von Tristan Theisen zum Catcher beendete die letzte Schlagmöglichkeit der Gänse.
Die Kölner machten es anschließend kurz, aber gründlich. Zwei Wild Pitches, ein Sacrifice Fly, ein Triple von Klimek und ein Two-RBI-Single von Krempel schraubten das Ergebnis auf 7-20. Als Jiminez mit zwei Aus einen Two-Run-Triple schlug, war beim Stand von 7-22 Schluss. Mercy Rule, Ball Game.
Die Statistik liest sich wie ein Beipackzettel. Auf Ratinger Seite standen am Ende acht Errors, zehn Walks, zwei Balks und elf Wild Pitches zu Buche. Die Kölner bedankten sich mit 14 Hits sowie 14 Stolen Bases und verstanden die Basepaths offenbar als offene Einladung. Wer so großzügig verteilt, darf sich über die Höhe des Ergebnisses nicht beschweren.
Lichtblicke gab es dennoch. Mirabalez Mora schlug zwei Doubles und brachte zwei Runs rein, Schlicht erreichte zweimal per Hit das Base und punktete beide Male. Und gegen einen Pitcher, der in fünf Innings acht Strikeouts sammelte, sind sieben Punkte nicht die schlechteste Ausbeute.
Mit nun drei Siegen aus zwölf Spielen bleibt die Saison ein zähes Unterfangen. Immerhin kann man den Goose-Necks eines nicht vorwerfen: mangelnde Konstanz. 22 Gegenpunkte im Hinspiel, 22 im Rückspiel. Man ist sich treu geblieben.