Ratingen Goose-Necks

Von Beginn an deutete sich an, dass die erste Partie eng werden würde. Cologne kam im ersten Inning zunächst nicht zum Zug, denn drei Strikeouts in Serie gegen Linus Simon, Henri Bernau und Luke Manierre setzten sofort ein Zeichen, dass Henrik Osbahr-Schelenz an diesem Abend gut aufgelegt war. Im Gegenzug legte Ratingen im ersten Durchgang direkt vor. Justus Riesen eröffnete mit einem Triple, und obwohl Colin Roestel anschließend Strike Out ging, traf Yat Laam Wong mit einem Single und brachte Riesen nach Hause. Wong selbst kam bei einem Fehler des Rightfielders bis auf die dritte Base, und als Henrik Osbahr-Schelenz mit einem weiteren Single nachlegte, schob Wong den zweiten Ratinger Run über die Platte. Osbahr-Schelenz kam bei diesem Spielzug dank eines Passed Ball von Catcher Linus Simon sogar noch bis auf die zweite Base, doch mehr sprang für Ratingen in diesem Inning nicht heraus, denn Tristan Villnow und Nick Kruse gingen im Anschluss aus.

Was folgte, war ein zunehmend zäher Schlagabtausch, in dem Cologne mehrfach anklopfte, aber immer wieder an der eigenen Ungeduld oder an Henrik Osbahr-Schelenz scheiterte. Im zweiten Inning brachten ein Walk von Leonard Sieland und ein Single von Kai Mebusch, der dank eines Wild Pitch bis auf die zweite Base kam, durchaus Gefahr, doch zwei weitere Strikeouts beendeten die Bedrohung, ohne dass ein Run zustande kam. Im dritten Inning wurde es für Ratingen defensiv unruhiger, denn Luan Altmann und Linus Simon wurden beide per Walk auf die Base geschickt, ein weiterer Walk von Luke Manierre füllte die Kissen, und ein Fielder’s Choice brachte Ratingen zwar einen Out, aber auch bewegte Läufer auf der zweiten und dritten Base. Ein Strikeout gegen Leonard Sieland rettete die Situation abermals. Auf der Gegenseite tauschte Cologne zwischenzeitlich kräftig durch, denn Franz Neuschulz kam für Altmann ins rechte Feld, Micah Hund übernahm das linke Feld, L. Schacht rückte ins Zentrum, und Nuri Grade übernahm die zweite Base. Justus Riesens Single im dritten Inning, begünstigt durch einen weiteren Fehler im rechten Feld, blieb jedoch ohne Ertrag, denn Ratingen brachte keinen weiteren Run über die Platte.

Auch im vierten Inning blieb es bei Nadelstichen auf beiden Seiten. Kai Mebusch kam per Single und anschließendem Passed Ball bis auf die zweite Base, wurde dort aber beim Versuch, weiterzukommen, noch geschnappt. Ratingens Nick Kruse profitierte im Gegenzug von einem weiteren Fehler im rechten Feld und kam ebenfalls bis auf die zweite Base, doch Pinch Hitter Lennard Wöllenstein, der für Konstantin Schiffers eingewechselt worden war, konnte daraus nichts machen. Im fünften und letzten Inning musste Ratingen bei einer Führung von 2:0 nicht mehr schlagen. Cologne setzte noch einmal an und brachte mit Linus Simon einen Baserunner, doch auch dieser Versuch verpuffte, als er beim Versuch, sich weiter vorzuarbeiten, ausgemacht wurde.

Am Ende stand eine Pitching-Leistung, die die gesamte Partie prägte. Henrik Osbahr-Schelenz ging alle fünf Innings durch, erlaubte lediglich drei Hits und vier Walks und kassierte keinen einzigen Run, und das bei zwölf Strikeouts bei 20 Schlagmännern. Auf der Gegenseite hielt auch Luke Manierre über vier Innings mit elf Strikeouts und fünf zugelassenen Hits gut dagegen, musste aber die beiden Runs aus dem ersten Inning als Niederlage verbuchen. Ratingen gewann mit 2:0, und dieser Erfolg war für die Mannschaft ein Moment, auf den sie lange gewartet hatte, denn es war der erste Sieg der Saison.

Kaum war der Jubel über den ersten Sieg verklungen, ging es unmittelbar weiter, denn das zweite Spiel lief bis kurz vor 22 Uhr tief in den Freitagabend hinein. Dieses Mal erwischte Cologne den besseren Start. Bereits im ersten Inning geriet Ratingens neuer Starter Justus Riesen unter Druck, denn nach einem Groundout folgten ein Walk, ein Single und ein Wild Pitch, das Leonard Sieland bis auf die dritte Base brachte. Ein Hit by Pitch gegen K. Tennhardt füllte die Bases, und ein weiterer Wild Pitch brachte Sieland nach Hause, sodass Cologne mit 1:0 in Führung ging. Kurz darauf erhöhte Luke Manierre ebenfalls über einen Wild Pitch auf 2:0. Als ein Wurffehler von Catcher Henrik Osbahr-Schelenz zwei weitere Läufer über die Platte brachte, stand es bereits 4:0 für die Gäste, wobei damit die Cardinals gemeint sind, denn Ratingen war an diesem Abend trotz Gastgeberrolle formal die Heimmannschaft. Ratingen antwortete jedoch prompt. Nick Kruse und Yat Laam Wong erreichten jeweils per Walk die Bases und kamen über weitere Wild Pitches und einen Passed Ball voran, und ein Double von Henrik Osbahr-Schelenz brachte beide nach Hause, sodass es 4:2 stand. Im zweiten Inning legte Cologne durch einen Fehler im Feld einen weiteren Run nach, und wenig später sorgte ein Single von K. Tennhardt für den nächsten Punkt, ehe ein weiterer Fehler auf der Shortstop-Position den Vorsprung erhöhte. Auch hier hielt Ratingen dagegen, denn ein Walk für Oskar Riesen, ein Wild Pitch und ein Double von Justus Riesen brachten den dritten Ratinger Run, sodass es nach zwei Innings 3:6 stand und die Partie trotz des Rückstands noch alles offenließ.

Im dritten Inning baute Cologne die Führung mit zwei weiteren Runs auf 3:8 aus, begünstigt erneut durch einen Fehler im Infield sowie ein Double von Luke Manierre. Ratingen reagierte daraufhin mit einem Pitcherwechsel, denn Justus Riesen rückte auf Short Stop, und Oskar Riesen übernahm den Hügel. Das vierte Inning verlief für beide Teams ruhig und ohne Runs, beide Defensiven fanden zwischenzeitlich wieder Halt, und es sah nach einem kontrollierbaren Rückstand aus, mit dem Ratingen ins letzte Inning gehen würde.

Dann kam das fünfte Inning, und mit ihm kam der Bruch, der aus einer kämpferischen Vorstellung eine deutliche Niederlage machte. Was mit einem gewöhnlichen Groundout gegen Linus Simon begann, entwickelte sich binnen weniger Minuten zu einer wahren Serie von Gegentreffern. Ein Walk, ein Fehler im Zentrumfeld und ein Hit by Pitch füllten die Bases, und ein weiterer Walk erzwang den nächsten Run, sodass es 3:10 stand. Ein Wild Pitch brachte den nächsten Läufer nach Hause, und der Stand kletterte auf 3:10. Ein weiterer Hit by Pitch und ein Walk mit erzwungenem Run stellten den Stand auf 3:11, und ein Single brachte den nächsten Punkt, sodass es 3:12 hieß, ehe ein weiterer Walk mit Run auf 3:13 erhöhte. Mitten in dieser Serie wechselte Ratingen noch einmal die Pitcherposition, denn Tristan Villnow übernahm von Oskar Riesen, doch der Knoten ließ sich nicht lösen. Ein weiterer erzwungener Run durch Walk brachte den Stand auf 3:14, der nächste auf 3:15, und schließlich setzte Luke Manierre mit einem Triple den Schlusspunkt dieser Serie, denn drei weitere Läufer liefen dabei ein, sodass die laufende Zählung 3:18 erreichte. Insgesamt zehn Runs erzielte Cologne in diesem fünften Inning, wie es der Linescore festhält, erspielt über Walks, Hit by Pitches, Wild Pitches, einen Fehler und schließlich das Triple von Manierre. Es war eine Blaupause dafür, wie sich ein einzelnes Inning in einem Jugendspiel auch ohne echten Trefferregen explosionsartig entwickeln kann.

Zu diesen zehn Runs kamen dann noch zwei weitere hinzu, die nicht auf dem Feld erspielt wurden, denn nach Abschluss des Innings wurde ein Rollover registriert, durch den dem Spielstand zwei zusätzliche Strafruns angerechnet wurden. In Summe kassierte Ratingen also zwölf Punkte allein in diesem einen Abschnitt, zehn davon direkt durch die Kölner Offensive und zwei weitere durch den Rollover. Im letzten Wechsel des Abends brachte Ratingen noch einmal einen neuen Werfer, denn Henri Bernau kam für Linus Simon, doch im Schlussdurchgang gelang den Gästen kein weiterer Punkt mehr, ehe die Partie beendet wurde.

Am Ende bleibt von diesem langen Freitagabend unter Flutlicht in Köln vor allem der erste Sieg der Saison in Erinnerung, denn Ratingen zeigte im ersten Spiel genau das Zusammenspiel aus starkem Pitching, cleveren Entscheidungen im Baserunning und Nervenstärke in engen Momenten, das diesen 2:0-Erfolg möglich machte. Im zweiten Spiel wiederum bewies die Mannschaft über weite Strecken durchaus Kampfgeist, denn die Offensive glich zweimal einen Rückstand zumindest teilweise aus, und bis zum Ende des vierten Innings war die Partie mit einem überschaubaren 3:8-Rückstand alles andere als entschieden. Dass am Ende dennoch eine deutliche 3:20-Niederlage zu Buche stand, lag praktisch ausschließlich an einem einzigen, sich selbst verstärkenden fünften Inning, in dem Wild Pitches, Walks und ein Fehler eine Kettenreaktion auslösten, die Cologne konsequent nutzte und die durch die zwei Rollover-Strafruns am Ende sogar noch verschärft wurde. So bleibt Ratingen ein Abend mit zwei Gesichtern, der aber vor allem für den lang ersehnten ersten Saisonsieg in Erinnerung bleiben wird, auf den die Mannschaft aufbauen kann.

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