Ratingen Goose-Necks

Das Hinspiel im April hatten die Gänse zum Saisonauftakt in Solingen mit 27-17 gewonnen. Es war ein Ergebnis, an das man sich gern erinnerte. Entsprechend selbstbewusst ging man vor 15 Zuschauern in Ratingen ins Rückspiel, das zugleich der Abschluss der Saison 2026 war. Dass es an diesem Nachmittag vor allem ein Spieler war, der auf Ratinger Seite immer wieder für Akzente sorgte, zeigte sich schon im ersten Inning.

Die Alligators waren zunächst ohne eigenen Hit mit 2-0 in Führung gegangen. Zwei Fehler und ein Passed Ball genügten. Starting Pitcher Jeremias Schulz ließ sich davon allerdings nicht aus der Ruhe bringen und schickte Oliver Hanisch und Nils Seppelt per Strikeout zurück auf die Bank. Als Marc Ogielo nach einem Single und einer Stolen Base auch noch die dritte Base stehlen wollte, warf ihn Catcher Tius Lahmers aus. Die Antwort folgte prompt. Lahmers erreichte per Error die zweite Base und stahl die dritte, und Schlicht holte ihn mit einem Single nach Hause. 1-2. Damit war der Ton für seinen Nachmittag gesetzt.

Im zweiten Inning glichen die Gänse aus. Schulz erreichte per Fielder’s Choice die erste Base, stahl erst die zweite, dann die dritte und punktete nach einem Error des Solinger Pitchers. 2-2. Auf dem Hügel hielt Schulz die Gäste in diesem Spielabschnitt mit zwei weiteren Strikeouts ohne Punkt. Nach zwei Innings standen vier Strikeouts in seiner Bilanz, und das Spiel war völlig offen.

Das dritte Inning entschied dann weitgehend die Partie. Fünf Walks, sechs Singles, ein Wild Pitch, ein Balk und ein Fehler bescherten den Alligators zehn Punkte. Als Schlicht beim Stand von 2-12 den Mound übernahm, stand wieder ein Runner auf Base. Er ließ die Bases zwar noch einmal volllaufen, beendete das Inning aber per Flyout.

Und die Gänse steckten nicht auf. Yorck Degens und Lahmers eröffneten mit zwei Singles, beide stahlen die nächste Base, und Roilan Mirabalez Mora räumte mit einem Double den Tisch ab. Schlicht legte ein Double zum nächsten Punkt nach, rückte per Balk auf Third vor und kam auf den Single von Dennis Timmermann selbst nach Hause. Vier Punkte, 6-12.

Im vierten Inning legten die Alligators noch einmal fünf Punkte nach, unter anderem durch ein RBI-Double von Max Scheewe und ein Triple von Seppelt. Dazwischen stahl Paul Händly die Homeplate. Im vorangegangenen Spiel gegen Aachen hatten die Gänse dieses Kunststück selbst gleich zweimal vorgeführt. Diesmal durften sie es sich aus der Perspektive des Gegners ansehen. Auf Ratinger Seite brachte Mirabalez Mora mit seinem zweiten Double den flinken Lahmers zum 7-17 herein.

Im fünften Spielabschnitt fand Schlicht auf dem Mound zu seinem besten Inning. Trotz eines Fehlers in der Defensive blieben die Alligators ohne Punkt, zwei Strikeouts inklusive. Im sechsten Inning kamen die Gäste zwar zu zwei weiteren Punkten, doch Schlicht beendete den Spielabschnitt selbst, indem er Jan Braches beim Stehlversuch erwischte. Was dann folgte, war die stärkste Phase der Goose-Necks.

Nach einem Strikeout brachte Lahmers mit einem Single den ersten Runner aufs Base, rückte per Wild Pitch vor und punktete nach einem Fehler des Solinger Rightfielders. Schlicht singelte, Timmermann holte Mirabalez Mora mit einem Double herein. Jan Frömming wurde abgeworfen, Schulz und Heiko Wolle zogen bei geladenen Bases jeweils einen Walk, und Degens legte einen Two-RBI-Single nach. Sechs Punkte, 13-19. Die Bases waren erneut voll, als Solingen Hanisch auf den Hügel schickte. Dieser beendete das Inning mit einem Strikeout.

Hanisch erwies sich in der Folge als harter Brocken. In seinen 3 1/3 Innings ließ er nur einen Punkt zu, verteilte keinen einzigen Walk und sammelte sieben Strikeouts. Wolle hielt auf der anderen Seite in den letzten drei Innings dagegen, konnte aber nicht verhindern, dass Händly im siebten Inning zum zweiten Mal die Homeplate stahl. Im achten Spielabschnitt brachten die Alligators nach einem Walk und einem Wild Pitch per Single von Ogielo einen weiteren Punkt ins Ziel. Ogielo rückte noch auf Third vor, wurde dort aber von Catcher Lahmers ausgeworfen, bereits zum zweiten Mal an diesem Nachmittag. Die Gänse antworteten umgehend. Schulz schlug ein Double, erreichte nach einem Fehler des Catchers die dritte Base und kam per Single von Tristan Theisen zum 14-21 nach Hause. Theisen stahl im Anschluss noch die zweite Base, doch weiter ging es in diesem Inning nicht.

Im neunten Inning kamen die Gäste nach zwei Singles, einem Fehler im Leftfield und einem RBI-Double von Scheewe noch zu zwei Punkten. Den Schlusspunkt auf Ratinger Seite setzte dann ausgerechnet Schlicht. Mirabalez Mora erreichte per Error die erste Base, und Schlicht schlug sein zweites Double des Tages. Runner auf Second und Third, null Aus. Hanisch ließ jedoch nichts mehr anbrennen und beendete das Spiel mit drei Strikeouts in Folge. Endstand 14-23.

Den Alligators gebührt Anerkennung. Händly kam auf drei Hits und fünf Runs, Scheewe auf drei Hits mit zwei Doubles und vier Runs, Ogielo auf drei Hits und drei RBI. Mit 18 Stolen Bases machten die Gäste zudem permanent Druck auf den Bases, und Hanisch lieferte eine bärenstarke Relief-Vorstellung.

Für die Gänse gibt es dennoch einiges, worauf sich aufbauen lässt. Schlicht war mit vier Hits, darunter zwei Doubles, zwei Runs und zwei RBI der auffälligste Spieler des Tages und übernahm zudem in schwieriger Lage über drei Innings Verantwortung auf dem Mound. Lahmers kam auf drei Hits, vier Runs und drei Stolen Bases und erwischte hinter der Platte zweimal einen Solinger Baserunner, Mirabalez Mora steuerte zwei Doubles und drei RBI bei, Timmermann und Degens je zwei Hits und zwei RBI. Mit 17 Hits schlugen die Goose-Necks einen mehr als der Gegner und damit zum zweiten Mal in Folge häufiger als ihr Kontrahent.

Lässt man die Innings drei und vier einmal beiseite, gewannen die Gänse die übrigen sieben Spielabschnitte sogar mit 9-8. Ein Gedankenspiel, zugegeben, aber ein aufschlussreiches. Denn wo der Unterschied lag, zeigt die Statistik deutlich. Die Ratinger Pitcher gaben 13 Walks ab, die Solinger nur vier. Allein im dritten Inning waren es fünf, und alle fünf Runner, die dort per Walk aufs Base kamen, punkteten später auch. Hinzu kamen acht Fehler in der Defensive, auf Solinger Seite waren es sieben. Die Bilanz der Feldspielfehler war also nahezu ausgeglichen, bei den freien Bases lag dagegen der entscheidende Unterschied. Gelingt es, die Zahl der freien Bases zu verringern, wird die Offensive, die an diesem Nachmittag erneut geliefert hat, auch wieder Siege einfahren.

Mit diesem Spiel endet die Saison 2026 für die Goose-Necks 2. Die Gänse verabschieden sich auf dem siebten von acht Tabellenplätzen in die Winterpause. Drei Siege aus 14 Spielen stehen zu Buche, einer davon am grünen Tisch, da Mönchengladbach nicht angetreten war. Auch solche Siege zählen bekanntlich voll, und man nimmt sie gern mit. Ob die Bilanz zum Klassenerhalt reicht, wird sich im Winter zeigen. Die letzten Wochen haben jedenfalls gezeigt, dass die Offensive der Gänse deutlich an Durchschlagskraft gewonnen hat. Darauf lässt sich in der kommenden Saison aufbauen.

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