Die zweite Mannschaft der Ratingen Goose-Necks startet in der Saison 2026 in der Landesliga und schlägt damit ein neues Kapitel in ihrer noch jungen Entwicklung auf. Dass es überhaupt zu diesem Schritt kommt, war vor einigen Monaten noch nicht abzusehen. In der vergangenen Spielzeit belegte das Team in der Bezirksliga einen starken zweiten Platz hinter den Dortmund Rhinos und verpasste damit den direkten Aufstieg nur knapp. Dennoch ergab sich im Anschluss die Möglichkeit zum Nachrücken, als der Verband einen freien Platz in der Landesliga zu vergeben hatte. Diese Chance ließ man sich in Ratingen nicht entgehen, auch wenn allen Beteiligten bewusst ist, dass damit eine deutlich größere sportliche Herausforderung verbunden ist.
Die Ausgangslage ist dabei eine andere als noch beim letzten Gastspiel in der Landesliga im Jahr 2023. Damals musste das Team eine äußerst schwierige Saison durchleben, in der lediglich ein einziger Sieg verbucht werden konnte. Viele Spiele gingen deutlich verloren, und am Ende stand der Abstieg in die Bezirksliga. Diese Erfahrung hat Spuren hinterlassen, wurde intern jedoch nie ausschließlich negativ bewertet. Vielmehr nutzte man die darauffolgenden Jahre gezielt dafür, die Mannschaft neu aufzubauen, junge Spieler zu integrieren und die Struktur nachhaltig zu verbessern. Die beiden erfolgreichen Bezirksliga-Spielzeiten können daher auch als bewusste Entwicklungsphase gesehen werden, in der das Fundament für die jetzige Rückkehr in die Landesliga gelegt wurde.
Ein entscheidender Faktor für den vorsichtigen Optimismus im Umfeld ist die personelle Entwicklung. Über den Winter hinweg konnte das Team mehrere neue Spieler begrüßen, wodurch nicht nur die Breite des Kaders gewachsen ist, sondern auch die Trainingsqualität spürbar gestiegen ist. Gleichzeitig hat sich ein Kern aus erfahrenen Spielern herausgebildet, der dem Team Stabilität verleiht und insbesondere den jüngeren Akteuren Orientierung bietet. Diese Mischung aus Erfahrung und Entwicklungspotenzial soll nun auch auf höherem Niveau funktionieren.
Coach Jan Grochowski blickt entsprechend positiv auf die bevorstehende Saison, ohne dabei die Realität auszublenden. Er betont, dass man froh sei, die Möglichkeit zum Nachrücken erhalten zu haben, auch wenn der Aufstieg sportlich knapp verpasst wurde. Besonders hebt er hervor, dass die Landesliga neue Herausforderungen mit sich bringt, die dem Team helfen können, sich weiterzuentwickeln. Längere Spiele, stärkere Gegner und mehr Spielpraxis auf höherem Niveau seien wichtige Faktoren, um die Mannschaft als Ganzes voranzubringen. Gleichzeitig sieht er die Saison auch als Chance, neue Spieler gezielt zu fördern und verschiedene Positionen auszuprobieren, um langfristig flexibler aufgestellt zu sein. Sein Ziel ist es, sich in der Liga zu etablieren und möglichst in der oberen Tabellenhälfte mitzuspielen, auch wenn dies angesichts der Konkurrenz kein Selbstläufer wird.
Coach Kai Kamzol schlägt in seiner Einschätzung bewusst etwas leisere Töne an und bringt damit eine wichtige Balance in die Erwartungshaltung. Er zeigt sich gespannt, ob es gelingt, den positiven Schwung aus dem Nachrücken über die gesamte Saison hinweg aufrechtzuerhalten, insbesondere dann, wenn Rückschläge unvermeidlich sind. Für ihn stehen neben den sportlichen Ergebnissen vor allem die Entwicklung des Teamgeists und die Integration aller Spieler im Vordergrund. Gleichzeitig formuliert er das klare Ziel, die Klasse zu halten und sich in der Liga zu behaupten. Dass man dabei auch den einen oder anderen favorisierten Gegner ärgern möchte, versteht sich von selbst, doch bleibt der Ansatz bewusst realistisch.
Ein Blick auf die Liga zeigt schnell, dass diese Vorsicht durchaus angebracht ist. Gleich zum Auftakt am 18. April 2026 wartet mit der zweiten Mannschaft der Solingen Alligators ein äußerst anspruchsvoller Gegner. Die Solinger sind den Goose-Necks noch aus der Bezirksligasaison 2024 bestens bekannt, als sie souverän die Meisterschaft gewannen. Auch in der darauffolgenden Saison bestätigten sie ihre Stärke mit einem zweiten Platz und einer Bilanz von neun Siegen bei vier Niederlagen. Ihr erklärtes Ziel ist der Aufstieg in die Verbandsliga, was sie automatisch zu einem der Topfavoriten macht. Für die Goose-Necks wird dieses erste Spiel somit direkt ein Gradmesser dafür sein, wo man aktuell steht.
Doch auch abseits der Solinger präsentiert sich die Liga ausgeglichen und anspruchsvoll. Mit den Mönchengladbach Blackcaps trifft man auf einen Aufsteiger, der einen ähnlichen Weg hinter sich hat. Nach Jahren in der Landesliga zog sich das Team bewusst zurück, um sich neu aufzustellen, und kehrt nun gestärkt zurück. Die Bonn Capitals 3 belegten im vergangenen Jahr einen Platz im Mittelfeld, verfügen jedoch über eine der stärksten Nachwuchsabteilungen im deutschen Baseball. Es ist jederzeit möglich, dass talentierte Jugendspieler punktuell eingesetzt werden und dem Team zusätzliche Qualität verleihen. Eine ähnliche Ausgangslage findet sich bei den Cologne Cardinals 4, die 2025 den dritten Platz belegten und ebenfalls auf einen starken Unterbau zurückgreifen können.
Besondere Aufmerksamkeit dürfte auch den Zülpich Eagles gelten, die sich nach dem Rückzug der Wesseling Vermins gezielt verstärken konnten. Spieler mit Erfahrung aus höheren Ligen bringen eine zusätzliche Qualität ins Team, die den Eagles eine deutlich stärkere Rolle als in den Vorjahren zutrauen lässt. Komplettiert wird das Teilnehmerfeld durch die Hochdahl Neandertaler und die Aachen Greyhounds, zwei Mannschaften, die im vergangenen Jahr mit jeweils sechs Siegen und acht Niederlagen im Mittelfeld landeten. Beide Teams gelten als eingespielt und erfahren, was sie zu unangenehmen Gegnern macht, auch wenn sie vermutlich nicht ganz oben angreifen werden.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Saison für die Goose-Necks II vor allem eine Standortbestimmung darstellt. Viel wird davon abhängen, wie schnell sich die Mannschaft an das höhere Niveau anpassen kann und ob es gelingt, die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortzusetzen. Die Mischung aus neuen Spielern, gewachsener Erfahrung und gestärktem Teamgefüge bietet eine solide Grundlage, doch entscheidend wird sein, wie konstant diese Faktoren über die gesamte Saison hinweg abgerufen werden können.
Die zentrale Frage bleibt somit offen: Kann der Schwung aus den erfolgreichen Bezirksliga-Jahren tatsächlich in die Landesliga übertragen werden? Die Antwort darauf wird sich erst im Verlauf der Saison zeigen. Klar ist jedoch schon jetzt, dass die zweite Mannschaft der Goose-Necks mit einer deutlich besseren Ausgangslage als noch 2023 an den Start geht und bereit ist, sich der Herausforderung Landesliga mit neuem Selbstbewusstsein zu stellen.